FwV Großostheim

Großostheim

Zahlreiche Brände zeigten immer wieder, dass man bis Mitte des 19. Jahrhunderts zur Feuerbekämpfung nicht bereit, schlecht organisiert, nicht ausgerüstet, zu wenig zahlreich oder zu spät alarmiert, kurz den Anforderungen nicht gewachsen war.

Die Städte und Gemeinden erließen wohl Feuerlöschordnungen, in denen der Brandschutz zur allgemeinen Bürgerpflicht erklärt wurde und hielten Löschgeräte bereit. Doch zeugen die zahlreichen Berichte über Brandkatastrophen, dass dies alleine noch nicht ausreichend war.

Auf einen so nahe liegenden Gedanken, dass eine besondere Gefahr auch einer besonderen Abwehr bedurfte, die nicht mit Dienstverpflichtung der Bürger in einer Pflichtfeuerwehr zu erbringen war, sondern den Einsatz einer besonders motivierten und geschulten Truppe erfordert, kam vorerst niemand.

Diese notwendige Folgerung erkannte erstmals 1846 der Stadtbaumeister Christian Hengst, der zusammen mit Bürgern der Stadt Durlach ein freiwilliges Löschkorps gründete und sich verpflichtete, bei jeder Brandgefahr helfend einzugreifen. Damit hatten sie den Grundstein zur Entwicklung des modernen und erfolgreichen Feuerlöschwesens gelegt. Es sprach sich in Windeseile herum, dass nur eine freiwillige Organisation die unabdingbare Grundlage für eine Zielbewusste Brandbekämpfung war.

Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Großostheim

Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Großostheim dauerte zwar dennoch bis September 1868.
Die Ursache für die Gründung war auch in Großostheim, dass die Pflichtfeuerwehr 1867 bei einem Brand an der Wern ihre Aufgabe nicht erfüllen konnte und mehrere Anwesen nieder brannten.

In der Pflichtfeuerwehr Großostheim mussten damals alle männlichen Bürger vom 25. bis zum 55. Lebensjahr Dienst leisten. Zu Beginn eines Jahres erhielt jedes Mitglied eine schriftliche Mitteilung, worauf ihm seine Funktion auf einem eventuellen Brandplatz benannt war, zum Beispiel:

...XX hat nach Ausbruch eines Brandes sofort mit seinem Löscheimer auf dem Brandplatz zu erscheinen. Es wurden strenge Kontrollen geübt und den Säumigen wurden Geldstrafen auferlegt...


Die Führung der damaligen Pflichtfeuerwehr, Seilermeister Wagner, Schmiedemeister Krimm, Apotheker Richter, regte unter Eindruck dieses Versagens an, eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Im Frühjahr 1868 beriefen sie daher eine Anzahl junger Ortsbürger ins Gasthaus »Zum Ochsen« zu einer Besprechung ein. Ihr Vorschlag, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, wurde sofort angenommen. Die eigentliche Gründung erfolgte dann im September. Der 14. November 1868 ist als Gründungstag im Vereinsregister der Marktgemeinde eingetragen.

Die persönliche Schutzausrüstung bestand aus einem blauen Kittel mit roter Schnureinfassung, ledergrauem Leibgurt und einem Messing-Helm. Als außerdienstliche Kopfbedeckung wurde eine schwarze Mütze mit rotem Bandstreifen getragen. Jeden Monat fand eine Übung statt. Jeweils am letzten Samstag eines Monats trafen sich die Mitglieder zu einer Dienstbesprechung im Gasthaus zum »Goldenen Fass«.

Aus alten Aufzeichnung geht hervor, dass bereits damals zahlreiche Gerätschaften für die Brandbekämpfung vorgehalten wurden. Im wesentlichen waren dies: Wassereimer, Leitern, Feuerhaken, eine kleine Handspritze, eine große Pferdegezogene Druckspritze mit Kupferkessel und eine mit vier Pferden bespannte Metz-Spritze. 1869 folgte die Anschaffung einer zweirädrigen Handspritze, die noch heute vorhanden ist.
 

Neben der freiwilligen Verpflichtung Feuerwehrdienst zu leisten, blieb die Dienstpflicht für die männlichen Bürger weiterhin bestehen. So kann zum Beispiel aus einer Urkunde aus dem Jahr 1907 folgende Stärkemeldung entnommen werden: Pflichtige Feuerwehrleute 250, Freiwillige Feuerwehrleute 68.

 


Von den Einwirkungen des 1. Weltkrieges 1914 - 1918 blieb auch unsere Feuerwehr nicht verschont. Die Übungen wurden infolge der Einberufung von 26 Kameraden eingestellt. Einige ältere Mitglieder sorgten für die Instandhaltung der Geräte und versahen den Löschdienst.

Im Jahre 1919 wurde mit der traditionellen Frühjahrsübung ein neuer Anfang gemacht. Vom 16. bis 18. Juni 1928 wurde das 60. Stiftungsfest gefeiert.

Durch die Machtübernahme von Adolf Hitler 1933 gab es auch bei den Freiwilligen Feuerwehren tief greifende Veränderungen. Das Vereinsprinzip blieb zwar vorerst erhalten, aber der Vorstand wurde nicht mehr demokratisch gewählt, sondern ernannt. Er hieß auch nicht mehr Kommandant sondern Wehrführer. Feuerwehrübungen nannte man in Appelle um. Der Übungsbetrieb wurde militarisiert und die Appelle auf Sonntag zum Zeitpunkt des Gottesdienstes verlegt. Bald wurden der Wehr auch neue Aufgabenfelder wie der Luftschutz zugewiesen.

Im Jahre 1938, vom 9. bis 11. Juli, konnte unsere Feuerwehr noch ihr 70jähriges Gründungsfest feiern. Nur wenige Monate später, im November 1938, wurde das neue Gesetz über das Feuerlöschwesen erlassen, das besagt; "Die Feuerwehr ist eine technische Hilfspolizeitruppe. Sie ist eine gemeindliche Einrichtung und hat im Auftrag der Ortspolizeiverwaltung Gefahren abzuwenden".

Nach dem Einmarsch der 6. amerikanischen Armee in Großostheim, am Palmsonntag dem 25. März 1945, wurden Ausrüstung, Geräte und das Feuerwehrhaus beschlagnahmt. Mehrere Wochen ruhte der Dienstbetrieb. Übungen und Versammlungen waren verboten.

Für die Teilnahme der Feuerwehr an der Fronleichnamsprozession 1945 wurde ein Gesuch an die Militärregierung gerichtet und von dieser auch genehmigt. Dies war das erste offizielle Auftreten unserer Freiwilligen Feuerwehr nach dem 2. Weltkrieg. Es nahmen 40 Feuerwehrmänner daran teil und machten so deutlich, dass sie die Zeit der nationalsozialistischen Wirren überstanden und der Leitsatz der Gründer nach wie vor Gültigkeit hatte.

»Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr«

1978 verloren durch die Gemeindegebietsreform, Pflaumheim und Wenigumstadt ihre Selbständigkeit als Gemeinden und bildeten gemeinsam mit Großostheim und dessen Ortsteil Ringheim eine neue kommunale Einheit. Die vier Feuerwehrführungen entschlossen sich, an Stelle eines organisatorischen Nebeneinanders selbständiger gemeindlicher Einrichtungen mit dem gleichen sachlichen Aufgabengebiet und sich zum Teil überschneidenden örtlichen Zuständigkeitsbereichen, zu einem sinnvollen Miteinander bei der Erfüllung ihrer Feuerwehraufgaben. Beschaffungen, Ausbildungen, Übungen und insbesondere die Alarm- und Einsatzplanung wurden gemeinsam erarbeitet und festgelegt.

Als 1982 das neue Bayerische Feuerwehrgesetz in Kraft trat, in dem der Artikel 16 die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren einer Gemeinde regelt, konnte bei uns ein problemloser Übergang vom gewählten Sprecher auf die Verpflichtung eines federführenden Kommandanten erfolgen.

Das neue Bayerische Feuerwehrgesetz brachte auch für die Feuerwehrvereine einschneidende Änderungen mit sich. So wurde den Gemeinden die Pflichtaufgabe zugewiesen, in ihrem eigenen Wirkungskreis dafür zu sorgen, dass drohende Brand- und Explosionsgefahren beseitigt und Brände wirksam bekämpft werden, sowie ausreichend technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen im öffentlichen Interesse geleistet wird. Zur Erfüllung dieser Aufgaben haben die Gemeinden in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeiten gemeindliche Feuerwehren aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Die gemeindlichen Feuerwehren sind somit öffentliche Einrichtungen der Gemeinde.

Mit dem Bezug der neuen zentralen Feuerwache Großostheims im Jahre 1990 erfolgte ein freiwilliger Zusammenschluss der Feuerwehren von Großostheim und Pflaumheim wobei das Selbstverwaltungsrecht beider Vereine unangefochten blieb und so das Vereinsleben weiterhin autonom gestaltet werden kann. Ein Jahr später schloss sich auch die Feuerwehr Ringheim dieser Gemeinschaft an.

In einem Grußwort zur Einweihung der Feuerwache beurteilte der Leiter des bayerischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz, Dipl. Ing. Manfred v. Hagen, den freiwilligen Zusammenschluss wie folgt:

»Hier haben ein verständnisvoller Marktgemeinderat, eine umsichtige und verantwortungs- bewusste Feuerwehrführung und eine der Tradition ebenso wie einer modernen Feuerwehrzukunft bewussten Mannschaft ein Beispiel gesetzt, das in seiner menschlichen Größe und Bedeutung dem der großen Gründer der Freiwilligen Feuerwehren vor mehr als 100 Jahren entspricht. Dieses Beispiel verdient nicht nur Dank und Anerkennung sondern in vielen anderen Fällen auch Nachahmung«.


letzte Aktualisierung: 28.09.2008 Feuerwehr Grossostheim e.V. • Grossostheimer Str. 33 • 63762 Grossostheim• Tel: (0 60 26) 6553